Girls' Day 2009

Fraunhofer Institute for Algorithms and Scientific Computing SCAI

Mädchen erkunden die Welt der Mathematik und Computer

Wo steckt überall Mathematik dahinter? Was machen die Forscher bei Fraunhofer SCAI? Und wie sieht eigentlich ein Computer von Innen aus? Diesen Fragen waren zahlreiche Mädchen am Girls' Day 2009 im Fraunhofer-Institut für Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen SCAI auf der Spur. In verschiedenen Workshops tauchten die jungen Teilnehmerinnen ein in Forschung, Mathematik und Informatik.

Im Workshop "Reporter für die Forschung" schlüpften die Mädchen in die Journalisten-Rolle und interviewten zwei Forscherinnen und einen Forscher aus unserem Institut. Die Ergebnisse können sich sehen lassen:

Behälterbefüllungen, optimiert, schnell und intuitiv berechnen!

Von Charlotte Alter, Dorothea Alter, Anna Seidl und Regine Mika

Stefan Rank arbeitet im Fraunhofer-Institut SCAI. Seine Aufgabe ist es, Computerprogramme zu entwickeln, mit denen es unter anderem möglich ist, sehr viele Teile platzsparend in einem Behälter zu platzieren oder bestmögliche Schnittmuster auf Textilien zu erzeugen. Dadurch, dass Behälter geordnet gefüllt werden, müssen weniger Transportmittel eingesetzt werden, was wiederum der Umwelt zugute kommt.

Nachdem Stefan Rank sein elf Semester langes Informatikstudium abgeschlossen hatte, fing er an im Fraunhofer-Institut SCAI zu arbeiten. Er ist nun schon seit sieben Jahren dort und teilt sich die Abteilung mit sechs weiteren Angestellten, darunter auch einer Frau. Herr Rank hat insgesamt sechs Wochen Urlaub im Jahr. An seiner Arbeit mag er die flexiblen Arbeitszeiten und er fühlt sich pudelwohl im Institut. 

Schon mit zwölf Jahren versuchte er, die Software von Computerspielen nach zu programmieren. Heute haben die Software-Produkte, die Stefan Rank mit entwickelt, weltweit etwa 5000 Kunden, zu denen Automobilfirmen und Kleidungshersteller zählen. Herr Rank und seine Kollegen stellen ihre neuesten Entwürfe und Konzepte auf Messen vor, wie zum Beispiel in dieser Woche in Hannover. Als Exponat auf Messen werden Behälter gezeigt, die mit Prototypen von Getriebestützen aus Magnesium befüllt sind.

Auf die Frage, ob er für alle Packungsprobleme eine Lösung habe, antwortete er: „Es wird nie eine endgültige Lösung geben, der Computer kann optimale Anordnungen nicht ganz genau berechnen, dafür würde er Jahrzehnte brauchen.“ Das Programm braucht zum Ausrechnen einer guten Behälterbefüllung durchschnittlich ein paar Minuten, es kann aber auch bis zu einer Stunde dauern.

Alles in allem ist dies ein sehr interessanter Beruf, für den Interesse an Mathematik wichtig ist.

Der Forscherin auf der Spur

Von Hannah Schmid, Lisa Maria Tölle und Tasnim Rödder

Heute, am Girls' Day 2009, interviewten wir Bettina Landvogt, die im Fraunhofer-Institut SCAI in Sankt Augustin arbeitet. Sie ist 25 Jahre jung und kommt frisch von der Universität Bonn, wo sie sechs Jahre lang Mathematik studiert hat. Als Nebenfach wählte sie Englisch. Das kommt zwar in diesem Studium nicht so häufig vor, ist jedoch trotzdem für ihren Beruf sehr hilfreich, zum Beispiel beim Schreiben oder Verstehen englischer Texte. Schon in der Schule war sie gut in Mathematik, jedoch interessierte sie sich nicht für Physik und Informatik.

Noch während ihres Studiums absolvierte sie ein Praktikum beim Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT. Da dies aber inhaltlich nicht ihren Vorstellungen entsprach, begann sie im Dezember 2008 ein Arbeitsverhältnis bei Fraunhofer SCAI in der Abteilung Simulationsanwendungen. Simulation ersetzt zum Beispiel echte Crashtests, die auch am Computer durchgeführt werden können. Die Simulations-Software, die Fraunhofer SCAI entwickelt, wird unter anderem an Autofirmen verkauft, die damit ihre Crashtests simulieren. Bettina Landvogt arbeitet speziell mit dem „SCAIMapper“, der für die Interpolation zwischen verschiedenen Simulationsnetzen zuständig ist.

Ihr Arbeitstag beginnt in der Regel um acht Uhr und endet zwischen 17 und 18 Uhr, das sind ungefähr 39 Stunden pro Woche. So bleibt auch noch genug Zeit für Sport, wie Laufen, Schwimmen und Inline-Skaten. Außerdem spielt sie gerne Saxophon. Obwohl es für Frauen ein eher untypischer Beruf ist, macht er ihr viel Spaß, da man „mit Mathe unglaublich spannende Sachen machen kann“, so die Forscherin. Nach ihrem Dreijahresvertrag würde sie Fraunhofer gerne als Sprungschanze nutzen und möglicherweise einen neuen Job in der Wirtschaft annehmen, um dort Karriere zu machen.

SCAI-Forscherin unter der Lupe

Von Milena Mayr, Annalena Lambertz, Hanna Gappa

Am Fraunhofer-Institut SCAI im Institutszentrum Schloss Birlinghoven arbeitet man zurzeit an einem EU-Projekt, SmartLM. Um Computerprogramme auszuführen, die viel Zeit und Speicherplatz brauchen, ist es oft erforderlich, dass Firmen aus unterschiedlichen Ländern ihre Computer zu einem „Grid“ verbinden. Durch SmartLM wird Nutzern weltweit die Möglichkeit gegeben, die auf dem Grid installierte Software für einen wählbaren Zeitraum und für eine bestimmte Summe zu leihen, die von den Entwicklern des entsprechenden Programms vorgegeben wird.

Angela Rumpl, eine Mitarbeiterin des Instituts SCAI, die sich schon immer für Informatik und Biologie interessiert hat, kam nach ihrem Abitur und einem Studium in Bioinformatik aus Österreich hierher, nicht zuletzt auch wegen ihres Freundes, der ebenfalls Informatiker ist. Weil sie von dem guten Ruf des Instituts hörte, arbeitet sie nun schon seit 2007 dort. Sie wählte ihren Beruf, weil sie das kreative Arbeiten mag und hofft, die Produkte, die es in dieser Form noch nicht gibt, anderen Menschen vermitteln zu können.

Angela Rumpl ist von dem angenehmen Arbeitsklima im Institut begeistert. „Der Chef ist toll“, antwortet sie uns schmunzelnd. Noch dazu kommt, dass durch die Gleitzeit die eigene Einteilung der Arbeitszeit ermöglicht wird. Am Liebsten mag sie an ihrem Beruf das Reisen und das Zusammentreffen mit Kunden und anderen Firmen. „Ich war nie besonders gut in Mathe, ich war durchschnittlich“ sagte sie, als sie unsere Reaktion auf das Thema Mathe sah. Dennoch gab sie uns den Rat, nicht voreilig zu entscheiden, ob wir diese Art von Beruf einschlagen wollen oder nicht, sondern es erst einmal auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln.